Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden (Baptisten)
Ein kurzer geschichtlicher Ausflug
Anfang 1525 wurde in Zürich eine evangelische Täufergemeinde gegründet. Eine Minderheit der Bevölkerung und der Geistlichkeit vertrat schon damals die Auffassung, daß kleine Kinder eigentlich nicht getauft werden dürften, sondern nur glaubende Menschen. Diese Auffassung war nach 1300 Jahren vorwiegend anderer Tradition eine umwälzende Wiederentdeckung neutestamentlicher Glaubenspraxis. Die Täuferbewegung bildete damals neben Lutheranern und Reformierten den dritten Flügel der Reformation, der bald viele tausend Anhänger hatte.
Aus diesem Umfeld sind dann im Laufe der Zeit Bewegungen und Kirchen wie die Mennonitengemeinden, die Taufgesinnten Gemeinden (vor allem in Holland), die Brüdergemeinden (engl. Brethren), die Baptistengemeinden (nach dem griechischen Wort für "taufen" = baptitsein), die Freien Evangelischen Gemeinden und in unserem Jahrhundert die Pfingstgemeinden hervorgegangen.
Ein Führer dieser Bewegung zur Reformationszeit war Balthasar Hubmaier aus Süddeutschland. Als ehemaliger Priester war Hubmaier mit der Lehre der Kirche wohl vertraut, und er verteidigte sie zunächst leidenschaftlich gegenüber allen Evangelischen. Dann aber entdeckte er beim Lesen der Bibel, daß in der Urchristenheit niemand zur Kirche gehören konnte, der nicht eindeutig an Jesus glaubte. Folglich konnten weder kleine Kinder durch die Entscheidung ihrer Eltern noch ganze Bevölkerungsgruppen durch den Willen eines Fürsten zu einer Kirche gehören. Vielmehr sollte jeder einzelne über seine Kirchenzugehörigkeit frei entscheiden können. Diese Auffassung ist eine Grundlage des freikirchlichen Gemeindeverständnisses bis heute geblieben. Sie wurde jedoch im 16. Jahrhundert von den kirchlichen und weltlichen Herrschern aufs schärfste abgelehnt. Hubmaier sowie tausende von Frauen und Männern wurden wegen ihrer Auffassung, daß Glaube und Kirchenmitgliedschaft freie Entscheidung des Einzelnen seien, hingerichtet.
Neue Gemeindebewegungen entstanden dennoch 1609 von Holland und England aus und verbreiteten sich besonders stark in der "Neuen Welt" in Nordamerika, dann in den Jahren 1834 bis 1854 auch in Deutschland mit dem Kaufmann Johann Gerhard Oncken in Hamburg und dem Lehrer Carl Brockhaus in Elberfeld, von wo aus sie sich über ganz Mitteleuropa bis nach Rußland hinein verbreiteten.
In der Zeit des Dritten Reiches schlossen sich die deutschen Baptistengemeinden mit zwei weiteren Freikirchen zusammen, den Christlichen Versammlungen (oder Brüdergemeinden) und den Elim-Gemeinden, und erhielten den gemeinsamen Namen "Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden".
Heute sind diese freikirchlichen Gemeinden in Deutschland im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zusammengeschlossen, der ein Theologisches Seminar, ein Jugendseminar und drei Bibelschulen unterhält. Er gehört zur Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) und ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Jährlich findet eine Bundeskonferenz mit Abgeordneten aller Gemeinden in Deutschland statt, auf der über die Arbeit des Gemeindebundes und seiner Werke beraten wird.
Der Weltbund der Baptisten (Baptist World Alliance, BWA) vertritt zur Zeit über 44 Millionen getaufte Mitglieder und ist so zusammen mit Kindern und ungetauften Anhängern eine der größten protestantischen Kirchen der Welt.
Über die BWA sind die Baptisten auch bei der UNO vertreten und bemühen sich dort um Frieden und Glaubensfreiheit für alle Menschen sowie weltweite Beachtung der Menschenrechte.