„Wieso glaubt eigentlich kaum noch einer an Gott?“
Carl hatte sich, Hände in die Hüften gestemmt, vor mir aufgebaut. „Das liegt doch an Euch Profis. Ihr macht irgendetwas falsch!“
Das konnte ich so nicht auf mir sitzen lassen. „Da hast Du einen etwas eingeschränkten Blick, mein Freund“, gab ich unwirsch zurück. „Alle Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass immer noch viele gläubig sind. Weltweit gesehen sogar rund 90 Prozent der Menschheit.“
„Ach, und wo bleiben die dann? In der Kirche wohl nicht.“ Carl ließ sich nicht beirren. „Die gehen zum Meditieren in Tempel oder anderswo hin.“
„In der Tat: anderswo hin.“ Ich wurde ein wenig ärgerlich. „Aber das liegt nicht nur an uns rückständigen Kirchen.“
„Nicht nur, aber auch!“ triumphierte Carl. Das Gespräch machte ihm Spaß.
Ich wand mich ein wenig. Er hatte ja Recht: Es musste sich immer noch viel ändern. „Zugegeben. Aber es gehen auch viele anderswo hin, weil sie nicht mehr nachdenken wollen.“
Carl schüttelte heftig den Kopf: „Unsinn! Weil sie nicht bevormundet werden wollen, bleiben sie weg.“
Ich seufzte. „Ja, auch. Aber das sind die wenigsten. Die meisten gehen, weil sie ganz einfache Antworten wollen. Und die kann man als Christ nicht guten Gewissens geben.“
„Einfache Lösungen - ?“ Carl setzte sich endlich.
„Mir scheint, in der immer unüberschaubarer werdenden Welt möchten viele ein ganz einfaches Weltbild haben: hier die Guten, da die Bösen; richtig – falsch, schwarz – weiß … Darum nimmt der Fundamentalismus seit Jahren zu! In der Religion wie in der Politik.“
„Aha.“ Carl überlegte einen Moment. „Und Du meinst, das ist verkehrt. Wieso denn? Ich will auch einfache Antworten! Man kann doch nicht dauernd 'einerseits-andererseits' herum eiern. Ich will Klarheit und Spaß am Leben!“
„Okay, die Grundlagen sind ja einfach. 'Glaube an Gott und tue Gutes.' Zufrieden? Damit kann man prima leben. Und Spaß haben.“
„Du musst nicht ironisch werden!“
Ich nahm mich etwas zurück: „Entschuldige. Es ist also erst einmal so einfach. Nur kann man da nicht stehen bleiben. Das Leben und damit der Glaube ist komplexer! Weil alles bunter und schöner, geheimnisvoller und reicher und viel weiter ist. – Immer.“
„Du meinst: Wer nachdenkt, kommt vom Einfachen mit der Zeit von selbst zum Komplizierten?“
„Nicht kompliziert, das klingt so anstrengend. Oft ist es nur komplex – vielgestaltig, mit ungeahnten Zusammenhängen und noch mehr Aspekten, als anfangs sichtbar waren. Das ist sehr spannend, aber nicht mehr einfach.“
„Hm.“ Carl überlegt. „Ich lasse das noch mal sacken. Aber da will ich weiter mit Dir drüber reden.“
Ich mit ihm auch.
Und mit Ihnen, liebe Leser!
Es gibt auf die wirklich wichtigen Fragen im Leben selten ganz einfache Antworten. Aber es lohnt sehr, darüber nachzudenken und mit anderen ins Gespräch zu kommen! Haben Sie Lust, das mit uns zu tun? Wir tun das jeden Sonntag im Gottesdienst. Dazu in vielen anderen Treffen, Gruppen, Veranstaltungen.
Kommen Sie doch mal vorbei!
Dieter Kreibaum